Die „Butzen“

Die Geschichte der „Butzen“ ist die Geschichte der Pest. Der „Schwarze Tod“ schwappte im Mittelalter in mehreren Wellen über Europa. Die Hauptpestzeit in Bisingen und Umgebung war von 1610 bis 1611. Zur damaligen Zeit rafften sich einige Bisinger Bürger auf, den Ärzten zu helfen, die von der Pest dahin Gerafften außerorts zu begraben und damit eine weitere seuchenartige Verbreitung zu verhindern.

Da die anderen Bürger aus Angst vor Ansteckung jeden mieden, der mit der Pest in Berührung gekommen war, mussten sich diese Menschen vermummen. Zusätzlich sollte die Kleidung noch dem Schutz der eigenen Kleidung und dem Körper als Schutz vor Ansteckung dienen. Diese Helfer bildeten die Grundlage, nach der die „Bisinger Butzen“ abgeleitet wurden.

Der „Schwarze Butz“

Das Butzenhäs besteht aus einer schwarzen Stoffmaske mit bunten Bändern und zahlreichen Glöckchen daran. Die Augenbrauen und der Lippenbart sind aus Fell. Eine heraushängende rote Zunge dominiert die Maske. Die Zunge hatte früher den Sinn, zu zeigen, dass man nicht von der Pest infiziert war – infizierte Menschen hatten eine schwarze Zunge.
Die Kappe diente mit zur Vermummung des Gesichts, man wollte ja nicht erkannt werden. Außerdem sollte sie vor Ansteckung schützen.
Der Körper des Butzen ist in ein weit wallendes, schwarzes Gewand gekleidet, welches an den Ärmeln ebenfalls mit Glöckchen besetzt ist. Diese Glöckchen dienten früher zur Warnung der Bevölkerung: „Vorsicht, Pest ist in der Nähe“.

Pestkranke führten zudem einen Stock mit sich, damit man sie schon von weitem als solche erkennen konnte.
Das weite Hemd diente ebenfalls zum Schutz des Körpers, ebenso wie der schwarze Rock. Beide Geschlechter trugen das gleiche Gewand, um die Identität der Person zu schützen. Eine Leinenhose, die am Knöchel über den Schuhen zusammengeschnürt wurde, vervollständigte diese Funktion.

Der Oberbutz ist durch sein rotes Gewand deutlich von den anderen Hästrägern zu unterscheiden.

Die „Kanoniere“

Die „Kanoniere“ tragen eine Soldatenuniform aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. und zeigen den Bezug zu Krieg und Pest der damaligen Zeit. Als Kopfbedeckung trägt der Kanonier einen Dreispitz-Hut, dazu eine rote Jacke mit Schulterstücken und gelben Manschetten an den Ärmeln. Die weiße Hose steckt in schwarzen Ledergamaschen. Vervollständigt wird das Bild des Kanoniers durch eine schwarze Patronentasche an einem Schultergurt aus weißem Leder.

Stets mitgeführt wird bei Umzügen eine echte Kanone.

Der „Medicus“

Die damaligen Ärzte, sie wurden in dieser Zeit Medicus genannt, versuchten mit ihren Mitteln die Leute zu heilen und die Leichen mit Hilfe der Butzen von den noch nicht Infizierten wegzubringen. Auch Sie mussten sich aufgrund der Angst der noch nicht infizierten Menschen und zwecks Vermeidung von Ansteckung verkleiden. Der Medicus trägt deshalb einen weiten schwarzen Umhang. Dieser Umhang bedeckte den ganzen Körper. Damit sollte die darunter liegende Kleidung geschützt werden.

Eine weiße Maske mit einer ungewöhnlich langen Schnabel Diese Schnabelmaske hatte gleich mehrere Funktionen: Zum einen sollte sie den Medicus unkenntlich machen. Die wichtigere Funktion hatte aber der lange Schnabel, in ihr wurden allerlei Tinkturen und Kräuter, wie auch Weihrauch getan, damit sich der Medikus, durch das Inhalieren dieser Düfte, nicht mit der Pest anstecken sollte, denn in dieser Zeit dachte man, dass die Krankheiten sich durch schlechte Gerüche verbreiten würde. Die Schnabelmaske sollte auch an ein Krähengesicht erinnern.

Hintergrund: Damals sahen die Menschen, dass Krähen an Pesttoten rumhackten und trotzdem nicht infiziert wurden. Sie dachten, dass Krähen von der Pest verschont wurden. Deshalb wurde die Krähe durch die Maske imitiert, damit man sich nicht anstecken konnte.

Der Stock diente dazu Leichen oder befallene Kranke auf Distanz zu halten und sie mit dem Krähenfuß berühren und untersuchen zu können. Mit dem langen Stock konnte der Medicus den Menschen deuten, was sie zu tun hatten. Durch die Verwendung des Stocks musste der Medicus die Leichen nicht immer direkt anfassen.

Ansprechpartner

Christian Gieger