„Deichelmaus“

Nach der Überlieferung gab es im 18. Jahrhundert in Unterdigisheim vier Brunnen, die aus verschiedenen Quellen gespeist wurden. Die Wasserleitungen zu diesen Brunnen bestanden aus Holzstämmen von 2-3 Metern Länge und hatten einen Durchmesser von 20 bis 30 cm. Die Leitungen nannte man im Altdeutschen „Teucheln“, daraus entstand der heutige Name „Deichel“. Diese Deichel verband man mit Metallringen und dichtete sie mit Teer ab. Vorher wurden die Holzstämme von beiden Seiten angebohrt, um eine Leitung zu bekommen. Zur Feststellung, ob der Stamm auch ganz durchgebohrt sei, ließ man eine Maus in ein Bohrloch springen. Rannte die Maus auf der anderen Seite heraus, war es sicher, dass der Deichel richtig durchgebohrt war und als Wasserleitung verlegt werden konnte. Aus diesem Vorgang haben die Unterdigisheimer ihren Spottnamen „Deichelmäus“ abbekommen, und die Narrenzunft hat darauf ihr Fasnetsgeschehen aufgebaut.

Der Narr der „Deichelmaus“ hat eine Maske in Form eines Mauskopfes und einen grauen Fellanzug mit einem Lederschwanz. Am Gürtel sind kleine Deichel befestigt und das Gürtelschloss ziert ein Mauskopf. Das Maskentuch zeigt vorne rechts das Wappen der Laubenberger, den früheren Lehnsherren, und links das heutige Ortswappen von Unterdigisheim. Auf der Rückseite befindet sich ein handgesticktes Bild, das eine Maus zeigt, die aus einem Deichel schlüpft.

„Brunnenmacher“

Der Brunnenmacher war ein Gemeindebediensteter, der die Aufgabe hatte, die vier hölzernen Brunnen im Ort herzustellen und instand zu halten. Die notwendigen Baumstämme dazu musste er selber fällen. Ebenso war es seine Pflicht, neue Deicheln herzustellen, morsche zu erneuern und neue Leitungen auszugraben, um die Deicheln verlegen zu können. Am Ende des Jahres musste der Brunnenmacher dem Schultheißen durch ein Arbeitsprotokoll Rechenschaft über seine Arbeit ablegen.

Da es in Unterdigisheim zur damaligen Zeit vier Brunnen gab, gibt es die Narrengestalt des Brunnenmachers in der Unterdigisheimer Fasnet vier Mal.

Das Häs des Brunnenmachers entspricht dem des Handwerkerstandes anno 1828. Markant ist vor allem die grobgehaltene Maske, die mit ihren Gesichtszügen auf die Kargheit des Lebens auf der Schwäbischen Alb verweist. Im Bart- und Mundbereich spiegelt sich der Aufbau eines Brunnentroges wieder. Auf dem Kopf trägt er einen „Schwäbischen Dreispitz“. Hose und Jacke sind aus robustem Hanfstoff in den Farben grün und braun gefertigt. Dazu trägt er hohe Lederstiefel, deren Schaft bis über das Knie reicht.

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Ramona Stein