„Nichthuldiger“

Den Namen „Nichthuldiger“ erhielten die Bisinger im Jahre 1798. Damals fand im Fürstentum Hohenzollern-Hechingen ein Landesvergleich statt, bei dem es hauptsächlich um Jagd- und Pirschrechte, Frondienste und Ländereien ging. Insgesamt 23 Gemeinden im Fürstentum waren aufgefordert, dem damaligen Fürsten Hermann Friedrich Otto zu Hohenzollern zu huldigen und dem Landesvergleich beizutreten. Nur die Bisinger, die schon früher als „Revoluzzer“ bekannt waren, weigerten sich, den Landesvergleich zu unterschreiben.
Auf Grund dieser Begebenheit erhielten die Bisinger den Namen „Nichthuldiger“.

Der Fürst, sehr verärgert, ließ durch seine Soldaten das Vieh von den Bisinger Weiden nach Hechingen treiben. Daraufhin sammelten sich die Bisinger zu einem Protestmarsch und marschierten bewaffnet mit Gabeln, Sensen und Dreschflegeln nach Hechingen, um ihr Vieh zurückzuholen.

Die Narrenfigur stellt den Bauern und Handwerker mit entsprechendem bäuerlichen Gerät oder Handwerkszeug aus dem 17. und 18. Jahrhundert dar. Die weiblichen Nichthuldiger haben einen Weidenkorb, gefüllt mit Wegzehrung bei sich.
Die Gruppe wird vom „Vogt von Bisingen“, einer Einzelfigur, die immer vom Narrenvater verkörpert wird, angeführt. Er stellt den damaligen Schultes dar und ist, seinem Rang entsprechend, etwas vornehmer gekleidet.

„Kirchamaus“

Wie jeder weiß, spricht man heute noch davon, dass einer „arm wie eine Kirchenmaus“ ist.

Bisingen war schon immer arm, da es in der Umgebung vorwiegend Schweichel- oder Schieferäcker gab. Die Erträge dieser Äcker waren sehr gering, was den Wohlstand der Bisinger sogar soweit beeinträchtigte, dass sie sich erst sehr spät eine Kirche bauen konnten. Der Überlieferung nach ist außerdem bei der ersten Messe in der neuen Kirche eine Maus über den Altar gesprungen.

Die Kirchenmaus trägt an ihrer Mausmaske das Fell der Hasenrasse „Blauer Wiener“. Auf dem grauen Kittel und der Hose werden Rauten in den Farben rot, gelb, braun und grün aufgenäht. Die Farben rot und gelb stehen für die Bisinger Farben, grün für Wiesen und Wälder und die Farbe braun für die Äcker rund um Bisingen. Das Maushäs wird durch einen dunkelgrauen Schwanz vervollständigt. In der Hand trägt die Kirchenmaus einen Stupfer mit Fellknäuel und farbigen Bändern oder einen Maus-Schirm. Geschellriemen sorgen dafür, dass die Kirchenmäuse schon von weitem auf sich aufmerksam machen.
Die Gruppe der Kirchenmäuse wird von der „Weißen Maus“, einer Einzelfigur, angeführt.

„Wedelweible“

Beim „Wedelweible“ handelt es sich um eine Sagengestalt.
Ihr wird nachgesagt, sie sei eine böse, alte Frau, halb Burgfräulein – halb Hexe. Die Maske des Wedelweible hat zwei Gesichter, zur einen Seite freundlich wie ein Burgfräulein, zur anderen Seite trügerisch wie eine Hexe. Mit dem freundlichen Gesicht habe es immer wieder Kinder angelockt und sie in ihrem geflochtenen Korb ins „Kirchhölzle“, unweit des Lindenwaldes von Bisingen, verschleppt. Dort soll das Wedelweible gehaust haben. Der Name geht auf die Kleidung zurück, ein Wildschweinfell mit Schwänzchen (Wedel). Dieses Wildschweinfell findet sich bei unserem Wedelweible als Schulterumhang über dem Häs wieder. Der Hutzelkorb auf dem Rücken ist mit Wildschweinfell, Reisig und Tannenzapfen verziert. In der Hand hat das Wedelweible einen knorrigen Stecken.

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Rainer Hoelle