Brauchtum der Steinemer Fasnet

Die Steinemer haben die bewegte Vergangenheit des Ortes in ihr Brauchtum integriert. Der Ortsname Stein (früher Staine) dürfte wohl im frühen Mittelalter (ca. 1200 nach Christus) bei den damaligen Bewohnern aufgrund der aus der Römerzeit (ca. 86 – 233 nach Christus) verbliebenen Gebäuderuinen entstanden sein. Die ersten Bürger, die sich im Tal ansiedelten, benutzten die Ruinen aus römischer Zeit als Steinbrüche zum Bau ihrer Häuser. Reichhaltige Stubensandsteinvorkommen rund um Stein ließen in Jahrhunderten zahlreiche Steinbrüche entstehen, in denen Steinquader gebrochen oder Sand für Maurerzwecke gemahlen wurde. Dies führte letztendlich dazu, dass die Steinemer den Spitznamen „Sadbolla“ erhielten.

„Stoanemer Sadbolla“

Kurz nach der Gründung der Narrenzunft Stein im Jahre 1977 trug sich die Vorstandschaft mit dem Gedanken, neben der traditionellen Lumpengruppe und den „Hemdglonker“, die die Straßenfasnet kennzeichneten, eine Maskengruppe ins Leben zu rufen. Was lag also näher, als den „Sadbolla“ mit seiner weit zurückreichenden Geschichte in einer Narrenfigur zu verkörpern. Hose und Maskentuch sind aus grünem Stoff mit aufgestickten Blumenverzierungen gefertigt, sie sollen den Wald- und Wiesenboden symbolisieren. Das Oberteil des Kleides besteht aus einer hellbraunen Jacke in den Farben des Lehmbodens, aus dem die Römer einst Dachziegel und Haushaltswaren anfertigten. Die Brust der Jacke ziert das aus dem Mittelalter stammende Wappen mit Zepter, Hirsch und Eber. Über der Jacke tragen die Sadbolla noch ihr Geschell. Auslösender Faktor für dieses Geschell, aus zehn kleinen Bronzeglöckchen bestehend, war das Auffinden einer Glocke in der römischen Gutsanlage aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Diese wurde originalgetreu nachgebildet und aus Bronze hergestellt. Die ganze Figur des Sadbolla symbolisiert also die Gestalt eines Dämonen, der in dieser Kleidung den Winter austreiben soll.

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Ralf Widmann